Gorkha und Gosaikund
Zwei Tage nach meiner Ankunft hatte ich alle Vorbereitungen abgeschlossen, also machte ich mich auf den Weg nach Gorkha Bazar. Diese Stadt in der Region Gorkha ist Ausgangspunkt fuer eine der Wanderungen, zu denen ich Informationen habe. Mein Plan war, von hier aus loszulaufen und in 15 Tagen oder so ein Flusstal hinauf, dann ueber zwei Paesse und wieder hinab zu einem anderen Fluss zu wandern.
Ohne Hilfe von mehreren freundlichen Nepali haette ich nichtmal die Bushaltestelle gefunden. Fuer 290Rs (Eine Rupie ist ungefaehr ein Cent) Stieg ich in einen Mikrobus nach Gorkha Bazar. Die Mikrobusse funktionieren auf Langstrecken so: Sie fahren an einem bestimmten Punkt zu einer mehr oder weniger bestimmten Zeit los und halten unterwegs so oft an, um Passagiere aufzunehmen, bis sie voll sind. Dann fahren Sie ohne unnoetige Zwischenstopps bis zum Ziel. Moechte jemand frueher raus, wird angehalten, und danach wird der leere Platz wieder aufgefuellt. Der Bus war schon voll, aber es hatte durchaus jeder einen halben europaeischen Sitzplatz, also fuer hier einen ganzen.
Die Strasse war natuerlich in einem desolaten Zustand, aber davon hatten mir vorher so viele Leute erzaehlt, dass es mich nicht mehr wunderte. Gebirgig wie auch das sogenannte Huegelland in Nepal ist, gings auf der einen Seite der Strasse steil bergauf und auf der anderen noch steiler bergab. Wir kamen an zwei Unfallstellen vorbei: An der einen schauten Nepali an einer frischen Reifenspur ratlos den Hang hinab, an der anderen wurde gerade ein (fuer nepalische Verhaeltnisse) ziemlich verbeulter Laster die Boeschung hinaufgezogen. Was wohl eh nur in Ausnahmefaellen moeglich ist.
Ansonsten lohnt es sich unterwegs immer, die Augen offen zu halten: ich habe zum Beispiel noch nie den Unterbau eines LKW fahren sehen, auf dem Fahrersitz, Lenkrad und Schalthebel die einzigen erkennbar fertigen Bauelemente waren.
Unterwegs unterhielt ich mich, soweit moeglich, mit meinen Mitreisenden. Allerdings waren besagten Meoglichkeiten klare Grenzen gesetzt, da wir keine gemeinsame Sprache sprachen. Als wir dann nach sechs Stunden in Gorkha Bazar ankamen nahm mich trotzdem einer unter seine fittiche und meinte, ich koenne heute sowieso nicht mehr aufbrechen. Es ist uebrigens die geteilte Meinung aller Nepali, dass ein europaeer sowieso nicht alleine reisen kann.
Mein Beschuetzer fuerte mich erst die fuenfhundertnochwas Stufen zum Tempel hinauf und dann noch eine halbe Stunde auf der anderen Seite wieder hinunter, um mich im Gasthaus seines Bruders abzuliefern. Das freute mich natuerlich ganz ungemein NICHT. Trotzdem blieb ich ueber Nacht, ass Dhal Bhat. lernte mit den Kindern Englisch und unterhielt mich mit einem Nepali, der des Englischen maechtig war. Mein Beschuetzer betrank sich unterdessen lustig und gab mir zu guter letzt zu verstehen, ich koenne auch gerne die Rechnung uebernehmen. Was ich natuerlich ablehnte.
Am naechsten Morgen brach ich ohne Fruehstueck auf - ich wollte einfach weg. Die Rechnung belief sich auf 355Rs, war also nicht uebertrieben hoch.
Ich wendete den Blick hinauf zum Tempel und marschierte los, die Wanderstoecke klapperten und ich kam gut voran. Kurz vor dem Tempel dachte ich gerade, dass es bald Zeit fuers Fruehstueck sei, als mich ein Nepali in sein Haus einlud. Er kam, sogar fuer mich als Neuling erkennbar, gerade vom Tempel wo er gebetet hatte. Sein Haus war keine zehn Meter entfernt und so folgte ich der Einladung. Er heisst Tej und spricht verstaendliches Englisch. Sehr offen zeigte er mir sein Haus und ich lernte seine Familie kennen (2 Toechter, 18 und 15, und ein Sohn, 13 oder so), bis auf seine Frau, die aufgrund des Frauenfestivals noch bei ihrer Mutter war. Im Gespraech erfuhr ich unter anderen, dass seine Ehe durch eine Liebesheirat zustande kam und nicht durch Absprachen zwischen den Eltern. Ausserdem ist es eine intercast marriage (Ehe zwischen unterschiedlichen Kasten), da er Hindu und sie Buddhistin ist. Und die aeltere Tochter hat einen zweistuendigen Fussweg zur Uni.
Vielleicht unter anderem wegen der langen Wege beginnt die Schule hier erst zwischen 9 und 11 Uhr und dauert dann ungefaehr sechs Stunden. Auf staatlichen Schulen wird erst in den letzten zwei der sechs Schuljahre Englisch unterrichtet. Danach kann niemand englisch sprechen oder verstehen. Zumindest ist mir bis jetzt noch niemand begegnet, der es auf einer staatlichen Schule hinreichend gelernt hat.
Ich blieb mehrere Stunden bei Tej, trank mit ihm Tee und ass mit ihm Dhal Bhat zum Fruehstueck. Er wiess mich darauf hin, dass er keinen Job habe und unbedingt einen brauche. Er hat schon oefter als Fuehrer gearbeitet und zeigte mir ein Empfehlungsbuch voller authentischer, lobender Eintraege. Aber ich hatte nicht vor, mit Fueherer zu reisen, denn das bedeutet unter anderem, immer in Gasthaeusern zu uebernachten. Also gab ich ihm eine kleine Spende, bedankte mich und wanderte weiter. Der Weg war wunderschoen: Vom Tempel aus folgte er einem Huegelkamm. Aufgrund der Wolken und des Waldes gab es leider wenig Ausblick, aber ich genoss das Gehen an sich sehr. Bis zu dieser Kreuzung. Sie war in der Wegbeschreibung nicht erwaehnt und laut der nutzlosen Wanderkarte lief ich sowieso in eine voellig hirnrissige Richtung. Aber: Lieber auf den Rat der Bevoelkerung hoeren und den Weg fuehlen, als einer schlechten Karte zu glauben! Nur war hier gerade weit und breit niemand. Also entschied ich mich einfach fuer eine der beiden Richtungen und ging weiter.
Irgendwann kamen mir zwei alte Maenner und ein Jung entgegen. Ich war froh! Ich gruesste ("Namaskar") und nannte den Namen des naechsten Ortes auf meiner Wegbeschreibung. Dabei zeigte ich in die Richtung, in die ich unterwegs war. Zwei freundliche Gesichter wackelten (Wackeln in diesem Teil Asiens = Nicken). Dann nannte ich besagten Ortsnamen und deutete in die Richtung aus der ich kam. Erneut freundliches Wackeln. Prima.
Ich entschied mich, weiterzulaufen. Als ich einige Haeuser erreichte wiederholte ich dieses Ritual mehrmals: Ich konnte zeigen wohin ich wollte, alle Wege schienen nach Ahale zu fuehren. Ich ueberspringe einen Teil der Geschichte: irgendwann fand ich jemanden, der mich verstand, und erreichte tatsaechlich den gesuchten Ort. Trotzdem hatte ich erkannt, dass sogar die einfachste Zeichensprache offensichtlich nicht eindeutig und nicht international gueltig ist.
Ich rastete, wobei sich viele viele Schulkinder fuer mich interessierten. Entweder sie gingen staundend vorbei, oder sie kamen zu mir und stellten ein paar Fragen. Ein paar kleine Maedchen riefen mir ein "Namaste!" zu liefen dann kichernd davon. Alle waren freundlich und hoechstens ein wenig aufdringlich.
Bis dann fuenf Halbstarke des Weges kamen. Ungefaehr in meinem Alter belagerten sie mich von Anfang an auf unangenehme Weise. Ich kann es nicht in Worte fassen, aber ich fuehlte mich bei allem, was sie taten, unwohl. Und sie gingen auch nicht mehr weg. Selsbt als ich schliesslich weiterging, wurde ich von ihnen flankiert. Da mir das wirklich unheimlich schien, wartete ich, bis ein aelterer Herr des Weges kam, und blieb fortan nahe bei ihm.
Schliesslich geschah es - ihr Weg trennte sich von meinem, und so ging ich nach links und sie gingen nach rechts. Sie hatten mir nichts getan, sie hatten mir nichts tun wollen. Trotzdem hatte ich mich bedroht gefuehlt.
Sofort hatte ich einen neuen Begleiter: Ja, hier ginge es nach Dingsbums. Das sei auch sein Weg. Obwohl das alles war, was ich verstand, kaute er mir auf Nepali ein Ohr ab und ging mir gehoerig auf die Nerven. Unterwegs wurde ich Zeuge, wie er von seiner Schwester zur Schnecke gemacht wurde. Ich habe keine Ahnung, was vorgefallen war, aber als wir ihr Haus passierten hielt sie ihn an und machte ein solches Theater, dass zwei Motorraeder anhielten und zuschauten. Es machte mir Spass, zuzuschauen, vor allem da ich gleichzeitig mit meinen Sandalen in einem kuehlen Bachlauf stand. Das Klima in dieser Hoehenlage ist subtropisch, also heiss.
Irgendwann kamen wir zu seinem Haus. Er muesse kurz hinein, ich solle warten. Das wollte ich nicht, aber gut. Ich solle herkommen. Das widerstrebte mir ein wenig, deshalb setzte ich mich auf die Treppe, statt hineinzugehen. Er kam mit einem Trinkpaeckchen heraus, oeffnete es trotz meines Widerspruchs und versuchte, es mir irgendwie in die Hand zu druecken. War ich bis jetzt passiv geblieben, so riss mir doch der Geduldsfaden, als er gar versuchte, mir den Strohhalm in den Mund zu stecken! Ich stiess ihn fort, schrie ihn an, was ihm denn eigentlich einfiele und so weiter, und ging weiter. Es war wohl nicht sein Tag.
Inzwischen ging ich schon etwas laenger auf einer Strasse, die zur der Zeit, als die Wegbeschreibung entand, wohl noch nicht existierte. Sie verband alle in der Beschreibung erwaehten Orte miteinander - war jedoch um ein vielfaches laenger als der urspruengliche Weg! Das erklaerte mir irgendwann ein Nepali, der am Strassenrand sass. Doch den Weg zu finden, das sei ohne Fuehrer nicht moeglich. Vor allem, weil mich niemand verstehe.
Eins stand fest: Auf der Strasse wuerde ich den geplanten Zielort am selben Tag nicht mehr erreichen. Also entschied ich mich dazu, einen der Busse anzuhalten. Ich kletterte aufs (ziemlich mit Menschen ueberladene) Dach und schon ging es weiter. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, wie es dazu kam, musste ich feststellen, dass ich auf einem Maoisten-Bus sitze. Maoisten, das sind die Rebellen, die den nepalischen Buergerkrieg anzettelten und am Leben erhielten. Ein Buergerkrieg, in dem 15.000 Menschen starben. Zwar herrscht inzischen Friede und meine Mitfahrer waren augenscheinlich unbewaffnet - aber ich fuehlte mich erneut nicht wohl in meiner Haut. Gar nicht wohl.
Und erneut passierte nichts. Ich kam dorthin, wo ich hin wollte, man knuepfte mir fuer die Busfahrt selbstverstaendlich mindestens doppelt so viel ab wie ueblich, und alle waren friedlich.
Da stand ich nun in dem Ort, in dem es laut Wegbeschreibung ein "Camp" gibt. Was auch immer das sein mag: Die Bewohner wussten von nichts. Gluecklicherweise traf ich jedoch einen Lehrer, der mir anbot, auf dem Schulhof zu uebernachten. Gesagt, getan: Ich baute unter aufmerksamen Blicken mein Zelt auf dem Schulhof auf und kochte mir ein wenig schmackhaftes Abendessen (Diese Dinger, die ich aus Neugier gekauft und an jenem Abend gekocht hatte, enpuppten sich im Nachhinein als Krabbenchips. Und gekochte Krabbenchips sind ... nicht lecker.). Die Kinder des Dorfes leisteten mir auf angenehme Art gesellschaft und zogen sich auf Zuruf eines Erwachsenen dezent zurueck - von der belastenden Zudringlichkeit indiens, von der ich viel gelesen und gehoert hatte, war hier nichts zu spueren.
Ich schlief mittelpraechtig durch ein naechtliches Gewitter hindurch und wurde am naechsten Morgen frueh von einem neugieren Jungen geweckt. Nach einiger Zeit war ich wach genug, um zu kapieren, dass es noch keinen Grund gab, aufzustehen, also legte ich mich wieder hin. Als ich dann schliesslich aufstand waren auch gleich wieder neugierige Kinder da, die mir beim Fruehstueck Gesellschaft leisteten. Auch der Lehrer kam vorbei und zeigte mir die Schule. Die Klassenraeume waren dunkle Loecher. Strom war nirgends verlegt, auch nicht fuer Licht. Mit den schrecklichen Toiletten hatte ich schon Bekanntschaft gemacht. Ich stelle mir vor, dass waehrend des Monsuns zu wenig Licht in die Klassenraeume faellt um irgendwas lesen zu koennen, und der Regen auf dem Blechdach zu viel Laerm macht, um sich verstaendigen zu koennen. Unter diesen Umstaenden kann nicht viel gelehrt und gelernt werden. Ausserdem war der Lehrer fuer Nepali und Englisch zustaendig, sprach aber nur sehr schlechtes Englisch. Sein Nepali kann ich nicht beurteilen ;)
Ich spendete der Schule 500 Rs.
Am Abend hatte ich beschlossen, so nicht weiterzuwandern. Ich hatte mich am Tag zuvor zweimal konkret bedroht gefuehlt und bin es gewohnt, solchen Gefuehlen Beachtung zu schenken. Als Gegenmassnahme wollte ich ein wenig Nepali lernen und einen Wanderpartner finden.
Deshalb kehrte ich mit einem Laster nach Gorkha Bazar zurueck. Zu der Piste habe ich noch kein Wort verloren. Einfach weil ich es nicht in kurzen Saetzen beschreiben kann. Der allradgetriebene Laster hatte zu kaempfen, manche Abschnitte zu ueberwinden. Dass die Busse das schaffen, ist mir nach wie vor unerklaerlich.
In Gorkha Bazar angekommen verbrachte ich einige glückliche Stunden damit, am Straßenrand zu sitzen und zu schauen. Immer wieder kam jemand vorbei, der sich mit mir unterhielt, und natürlich waren auch die Kinder interessiert.
Abends ging stieg ich erneut hinauf zum Tempel und ging zu Tej. Er sah mich schon kommen und freute sich, mich wiederzusehen. Nachdem er meine Geschichte gehört hatte aßen wir zu Abend. Ich wollte so schnell wie möglich damit anfangen, Nepali zu lernen, und so brachte er mir schonmal ein paar Kleinigkeiten bei. Ich blieb drei Nächte bei seiner Familie und gewann so Einblicke in das Dorf- und Familienleben.
Die Nahrungszubereitung nimmt hier extrem viel Zeit in Anspruch. Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Aspekten, die sich ergeben, wenn auch im Haus das meist noch feuchte Holz mit Kerosin angezündet wird.
Das Essen wird grundsätzlich sehr lange gekocht. Es gibt morgens (gegen 9) und abends (gegen 8) Dhal Bhat. Der Reis wurde bei Tej in einem elektrischen Reiskocher gegart, wo der Dhal herkam weiß ich jetzt gar nicht so genau. Die Takari genannte Gemüsebeilage, die auch die Würze liefert, verlangt auf jeden Fall die meiste Aufmerksamkeit. Meist wurde zunächst etwas Gemüse, zB fünf kleine Kartoffeln und ein paar Erbsen und etwas Kohl und Gurke, in einem Wok auf dem Feuer gegart. Dann wurden Gewürze, teils getrocknet, teils frisch aus dem Garten, mit Chilischoten auf einem selbstgemachten flachen Mahlstein mit einem weiteren, handlicheren Stein unter zugabe von ein wenig Wasser zu einer pikanten Würzpaste verarbeitet. Diese und weitere Gewürze wurden hinzugegeben und es entstand, nach längerem Kochen, das typische Aroma.
All das wird dann zusammen auf einem Blechteller serviert. Lediglich mir wurde der Dhal immer in einer separaten kleinen Schale gereicht, was ich nach wie vor nicht verstehe. Schliesslich mischt sich jeder nach und nach ein Essen zurecht und isst mit der Hand. Dazu bildet man mit den Fingern der rechten Hand eine Art Schale und nimmt mit Hilfe des Daumens einen Bissen auf die ersten Fingerglieder. Die Hand wird zum Mund geführt, wo schließlich der Daumen das Essen von den Fingern in den Mund schiebt. Sodann kehrt die Hand sofort zurück auf den Teller und schiebt das Essen irgendwie rum, unter anderem um den nächsten Happen durch gutes Durchmischen vorzubereiten. Die Hand eines Essenden steht hier wirklich nie still - es wird immer geschoben und gemischt und zusammengematscht und so weiter. Übrigens darf man sich die Finger auch großzügig ablecken!
Beim Essen ist es eher nicht üblich, zusammenzusitzen, sich zu unterhalten, oder gemeinsam anzufangen. Und wie in so vielen anderen Sprachen (zB Englisch) habe ich auch im Nepali bis jetzt kein Äquivalent zu "Guten Appetit" kennengelernt.
Ich lernte fleißig und unterhielt mich viel mit Tej und seiner Tocher Jyoti (=Licht, angeblich ein gebräuchlicher Name). Ausserdem entwickelte ich einen prächtigen Durchfall und einen Ekel gegen den Geschmack dieser elenden Wasserentkeimungstabletten.
Schließlich kehrte ich nach Kathmandu zurück. Es ergab sich, dass ich Dvir und später Afik kennenlernte, zwei Israeli, mit denen ich kurze Zeit später zu einer Wanderung aufbrach. Unser Ziel war das Langtang-Gebiet, welches touristisch erschlossen ist, jedoch weniger überlaufen als Annapurna und Everest. Da die beiden nicht ausgerüstet sind, planten wir, in Herbergen zu übernachten. Doch am Beginn dieser Reise stand die Busfahrt!
Im Bus wurden Fernseher (viele), Kartoffeln, Nähmaschinen und vieles mehr transportiert. Und Menschen. Die Fahrt lässt sich nicht beschreiben, ohne weit auszuholen. Und Gestik und Fotos brauche ich dafür auch. Wir taten nach kurzer Zeit das einzig Richtige: wir kletterten aufs Dach!
Dort machten wir es uns auf dem Gepäck bequem und genossen das Rauschen des Windes, den Ausblick in ferne Täler und auf die nahen Menschen. Dabei ist es wichtig, nicht zu träumen, denn immer wieder hängt eine der waghalsig angebrachten Stromleitungen sehr niedrig über der Straße oder einer der Bäume will einem eins auswischen.
Wir waren vorher informiert worden, dass ein Erdrutsch die Straße auf einem Teil des Weges weggerissen hätte. Dort müssten wir einen Kilometer zu Fuß gehen, um auf der anderen Seite den nächsten Bus zu nehmen. Noch bevor wir den Erdrutsch erreichten war jedoch ein großer Fels (mindestens 3 Kubikmeter) auf den Weg gestürzt. Es war schon ein Bagger vor Ort, der das Hindernis binnen einer Stunde beseitigte. Der Bus schaffte es tatsächlich irgendwann, den unheimlich steilen Hand zu erklimmen und die Fahrt ging weiter. Wir überwanden den Erdrutsch zu Fuß und kamen schließlich irgendwann in Dhunche an.
Dort übernachteten wir in einem Hotel. Wir mussten nichts für den Raum bezahlen, unter der Bedingung, dass wir dort Essen. Das Essen war teuer und ungenießbar.
Am nächsten Tag liefen wir los, da ich Zelt, Kocher, Isomatte uvm in Kathmandu gelassen hatte war ich mit sehr leichtem Gepäck unterwegs und konnte die Wanderung genießen. Der Weg folgte zunächst einem Fluss um dann auf dem Grat einer Bergflanke steil über 1000m anzusteigen. Afik kontrollierte dauernd seine Beine, da er Angst vor den Litsches (Blutegeln) hat. Die fallen einen unbemerkt an und beißen sich irgenwo fest - das ist schon keine schöne Vorstellung. Und danach blutet es. Aber ich war der einzige, den sie ab und zu mal belästigten.
Irgendwann merkte ich, dass ich ein wenig Kopfweh hatte. Fast sofort gesellten sich Übelkeit und leichter Schwindel hinzu - Diagnose: Höhenkrankheit. Das ist zwar ungewöhnlich auf nur 3000m üNN, aber ich hatte mir vorgenommen, nichts anbrennen zu lassen wenn ich Symptome entwickele. Wir kehrten also bei der ersten Gelegenheit in Dimsa ein. Ich fühlte mich wirklich schlecht und sehr müde. Ich beschloss sogar, Diamox zu schlucken, dass bei der Anpassung an größere Höhen helfen soll. Nur beginnt man eine präventive Therapie eigentlich schon Tage vorher. Trotzdem ging es mir nach einem nachmittäglichen Schlaf ein wenig besser.
Die Herberge war uns sehr sympathisch: wir waren die einzigen Gäste und belegten drei der sechs Betten. Der Wirt sprach zwar nicht sehr viel Englisch, aber wir gaben uns Mühe und konnten uns ein wenig mit ihm unterhalten. Wir sahen ihm auch beim Kochen zu, die Mahlzeiten aus getrockneten Pilzen waren fast durchweg lecker.
Am nächsten Tag ging es mir nicht bedeutend besser. Hat man leichte Beschwerden, die mit der Höhenkrankheit im Zusammenhang stehen und die über Nacht nicht verschwinden, wird dringend der Abstieg um mindestens 500m empfohlen. Da die einzige Herberge zwischen Dimsa und Dhunche keine 500m niedriger lag, hatte ich also keine Wahl als nach Dhunche zurückzukehren. Rückkehr, Warten und anschließender langsamer Aufstieg hätten viel Zeit in Anspruch genommen - Zeit, die ich hatte, Dvir und Afik jedoch nicht. Also trennten wir uns und ich kehrte alleine nach Dhunche zurück. Der Abstieg ging, abgesehen von der Müdigkeit, gut von der Hand, und unterwegs nahm ich sogar ein erfrischendes Bad im Fluss. In Dhunche angekommen stand jedoch fest, dass die Höhenkrankheit nicht das Einzige gewesen war, was mich schwächte. Ich hatte ausserdem Fieber.
Meine Fiebertherapie beginnt und endet immer mit Schlaf, so auch diesmal. Leider gab es in Dhunche wenig, was mich in den Zeiten dazwischen beschäftigt hätte. Sogar die durchaus interessanten Ausflüge in den Ort, bei denen ich immer irgendwen kennenlernte, waren im Grunde zu anstrengend.
Ich blieb zwei Nächte um mich zu erholen. Am zweiten Abend stand ich gerade in der Küchentür des Hotels, als das auch in den europäischen Nachrichten erwähnte Erdbeben einsetzte. Die Erde schwankte richtig hin und her, ich begriff nicht direkt was los war. Also fragte ich laut "What's going on?", woraufhin der Hotelbesitzer mit "Outside, outside!" die Evakuierung einleitete. Nach kurzer Zeit war der Spuk vorbei, ganz Dhunche auf der Straße versammelt und alle verschreckt oder erleichtert. Auch in der Nacht gab es kein weiteres Beben.
Morgens machte ich mich auf den Weg nach Kathmandu. Es kommt mir vor als wäre Kathmandu immer einen Tag Busfahrt von allem anderen entfernt. Ich saß mit einigen Militärs zusammen, die (in Zivil) auf dem Weg in die Heimat waren. Wir unterhielten uns wieder viel. Als ich einem von ihnen Half, sein Gepäck über den Erdrutsch zu tragen, hatte ich einen Freund gewonnen. Er spendierte mir sogar eine große Flasche Sprite.
Nach dem Erdrutsch wurden wir alle auf einen Laster verladen, für mich das bisher überfüllteste Verkehrsmittel. Diesmal hätte auch wirklich schnell jemand runterfallen können. Wir schaukelten durch die schwierige Passage der Straße, auf die auf dem Hinweg der Fels gefallen war. Immer wieder fielen wir kollektiv in eine Richtung, schafften es aber doch irgendwie, heil anzukommen. Schließlich wartete ein weiterer Bus auf uns, der uns nach Kathmandu brachte. Irgendwie haben die Nepali immer was dagegen, wenn ich mich aufs Dach setze. Ich mache es trotzdem, weil es die komfortabelste Art ist, zu Reisen. Zumindest solange es nicht regnet. Die Sitze im Bus sind so eng angeinander gepresst, dass meine Beine beim besten Willen nicht dazwischen passen. Und in der Rutsch saßen wir nachher zu acht - kuschelig. Diesmal waren einige Fahrgäste dabei, deren Mägen die Schaukelei nicht vertrugen. Es wurde aus dem Bus, in den Bus und auf den Bus gekotzt. Und immer nur Reis. Langweilig.
In Kathmandu angekommen suchte ich mir eine Unterkunft und schlief wie ein Stein. Am nächsten Tag holte ich bei KP den Laptop ab und genieße seitdem unter anderem die Freuden des Internets und solch profane Dinge wie Kekse und Obst. Wann immer ich auf die Straße gehe lerne ich irgendjemanden kennen, noch sind es mehr Nepali als Touristen mit denen ich mich unterhalte. Jetzt werden es aber jeden Tag mehr Touristen auf der Straße.
Bisher war das Wetter eher mittelmäßig: Es regnete fast täglich, zuletzt meist nachts, und war immer bewölkt. Gestern früh schien mal die Sonne, doch ein richtiger Umbruch steht noch aus. Dvir und Afik sind inzwischen aus den Bergen zurück und erzählen vom Wandern in den Wolken, sehr seltenen Ausblicken und Regen.
Ich bin nun schon seit mehreren Tag hier und es gefällt mir. Leider geht das Fieber nicht ganz weg. Es behindert mich zwar kaum noch, aber dann und wann fühle ich mich doch noch müder als normal. Ich hätte immer wieder die Möglichkeit, etwas zu unternehmen, zum Beispiel lud mich gestern ein Israeli ein, die nächsten zwei Tage mit ihm zu wandern. Aber ich will nicht. Was auch immer der Grund sein mag, ich will gerade nicht. Also mache ich es auch nicht.
Mal sehen, was als nächstes passiert.
Uebersicht
Da faellt mir ein, dass meine Plaene ja nur fuer mich offensichtlich sind. Deshalb hier eine kleine Zusammenfassung:
- ich bin ungefaehr ein Jahr lang unterwegs
- ich will mal wieder viel wandern
- deshalb werde ich September, Oktober und November dafuer nutzen
- Anfang Oktober reist und wandert meine Schwester ein paar Wochen lang mit mir
- im Winter (Dezember Januar Februar) werde ich in einem Krankenhaus in Kirtipur bei Kathmandu arbeiten und dort Daten fuer eine Studie bezueglich der Lungenfuktion und der verbreitung von Allergien unter den Nepali sammeln
- danach (Maerz April Juni) gehe ich nochmal ganz gross wandern
- Im Sommer kommt dann meine Freundin und wir reisen gemeinsam
Angekommen
So, wie ging das noch gleich? Ist schon so lange her, seit ich was geschrieben habe. Kurz und knapp: Bin gestern planmaessig angekommen und wohlauf. Da ich Mali kenne, haut mich das Chaos und so nicht direkt von den Socken. Muss jetzt noch einiges vorbereiten bevor ich wandern gehen kann. Und das war Post #1 in Kategorie Reisen - Nepal.
PS: tut euch den Gefallen und klickt mal einen Post an. Dann wird euch euer Browser sagen, ich sei nicht vertrauenswuerdig. Vertraut meinem Zertifikat trotzdem dauerhaft und geniesst fortan einen Blog, der sich auch anschauen laesst.
So gehts:
Wollt ihr leichte Erfrierungen an drei Zehen, die euch drei Tage lang nerven? Dann lauft barfuß ein paar hundert Meter weit durch den Schnee:
Kiva – Geld sollte nicht ruhen!
Da ich zZt ein paar Euro angespart habe, die ich nicht direkt brauche, habe ich überlegt, was mit solchem Geld wohl zu tun ist. Es liegen lassen und mit den geringen Zinsen fast nichts verdienen? Es langsfristig anlegen? Nein. Es spenden? Dann ist es weg, und ich kenne mich gut genug um zu wissen, dass auch wieder eine finanzielle Ebbe folgen wird. Eine schöne Alternative konnten mir meine Eltern zeigen: Sie verleihen Geld bei Kiva. Und das funktioniert so:
Von Mikrokrediten hat wohl jeder schonmal was gehört. In der dritten Welt, wie man so schön und inzwischen vermutlich politisch inkorrekt sagt, leihen brauchen Menschen Geld in ganz anderen Maßstäben als zB hier in Deutschland. Ein Kredit wird oft schon für wenige hundert Euro aufgenommen, hier ein Beispiel. Ohne ins Detail zu gehen: Kiva bietet mir Möglichkeit, diese Menschen zu unterstützen, indem ich ihnen einen Teil meines Geldes zur Verfügung stelle. Ein Kredit wird meist von vielen Kiva-Mitgliedern finanziert, und so kommt am Ende der benötigte Betrag zusammen.
Dabei verdiene ich als Geldgeber nichts, Kiva bittet mich sogar um eine kleine, freiwillige Spende, ausserdem kann es sein, dass sich der Wechselkurs ungünstig verändert und ich dadurch etwas weniger Geld zurück kriege. In seltenen Fällen (laut Statistik weniger als 5%) wird ein Kredit auch gar nicht zurückgezahlt. Aber ich kam zu dem Schluss, dass ungefähr 5% Verlust absolut akzeptabel sind, wenn ich dafür mit meinem Geld etwas bewirken kann.
Deshalb habe ich mich vor kurzem registriert und schon einige Projekte unterstützt. Hier könnt ihr sehen, welche.
wieder erreichbar
Meine Domain hat vor kurzem ihren Jahresurlaub eingeklagt, ist jetzt aber wieder zurückgekehrt. Urlaub sei nichts für eine Domain, meinte sie. In Zukunft bin ich also auch per Mail wieder erreichbar.
Wünsche euch ein tolles Jahr voller Zufriedenheit!
Bulli-Ärger und Kurzurlaub
Berlin und Hamburg als mögliche Studienstädte habe ich ausgeschlossen, genau wie fast alle anderen Universitätsstädte. Aus verschiedensten Gründen übrigens, meist jedoch habe ich sie rot durchgestrichen: "Kein Klettergebiet". Das kann man nun über Dresden nicht sagen: die Stadt liegt am Elbsandsteingebirge, dem größten Klettergebiet deutschlands. Die TU Dresden hat einen guten Ruf, war von Anfang an eine der Exzellenz-Unis, verlangt keine Studiengebühren und bietet ein Dipl-Ing Mechatronikstudium, und über Dresden selbst hört man auch nur gutes. Grund genug, die Lage vor Ort zu checken.
Also beschlossen Christine und ich, vom neunten bis zum dreizehnten Mai mal rüber zu fahren. Mit meinem Bus, so dachte ich, kein Problem.
Am zweiten Mai, Samstags, eine Woche bevor es los gehen sollte, ging der Stress los: Ich fahre mit dem Bulli, als auf einmal das Kühlmittel heiß wird. Der Zeiger bewegt sich unerbittlich nach rechts. Ohoh. Das war noch nie passiert. Ich halte an, steige aus und öffne den Motorraum: Dampfschwaden schlagen mir entgegen. Der ganze Motor ist nass und heiß und stinkt. Wo kommt das ganze Wasser her? Ist da Öl dabei? Oder Diesel? Erstmal hatte ich keine Lust, mir von diesem untreuen Blechhaufen den Tag versauen zu lassen: Bus an den Straßenrand gestellt, Freund angerufen, trotzdem klettern gefahren.
Nachdem wir ihn abends nach Hause geschleppt hatten stand am nächsten Tag die Diagnose: bei laufendem Motor sah man, dass die Zylinderkopfdichtung hinüber war. Keine gute Nachricht, aber zumindest auch kein Motorschaden. Ich musste die ganze Zeit über arbeiten und verbrachte jede freie Minute am Auto. Samstag und Sonntag baute ich den Zylinderkopf aus: zwischen den Ventilen gerissen. Ich beschloss, ihn trotzdem wieder einzubauen. Es schien die einzige Möglichkeit, die Tour nach Dresden nicht verschieben zu müssen. Also bestellte ich Montags das Material, mit knapp hundert Euro versprach es, die teuerste Reparatur bis jetzt zu werden. Und ich war schon es hatten sich schon an die hundert Komplikationen ergeben, vor allem hatte ich die Einspritzleitungen verbogen und war nicht sicher, ob sie noch halten würden. Montag: am Bus schaffen, Dienstag: am Bus schaffen, Mittwoche: am Bus schaffen, Donnerstag: am Bus schaffen. Wenn man das alles zum ersten Mal macht, braucht man für jeden Schritt etwas länger. Wenn man nebenbei achteinhalb Stunden am Tag arbeitet geht es auch nicht schneller. Und wenn man für die Arbeit immer saubere Finger braucht, muss man auch noch ne halbe Stunde Schrubben einplanen.
Donnerstags dann die erste Probefahrt. Und danach Wasser im Öl. Was ist los? Ist der Zylinderkopf noch an einer anderen Stelle gerissen? Haben wir die Dichtung falsch eingebaut? Ist vielleicht nur bei der Reparatur ein bisschen Wasser in die Ölwanne gelangt, das sich jetzt mit dem frischen Öl vermischt hat? Um diese Möglichkeit auszuschließen, brach ich Freitags zu einer abenteuerlichen Fahr auf: Ich wollte über hundert Kilometer fahren, damit der Motor heiß wird und das Wasser verdampft. Danach, so dachte ich, hätte ich Gewissheit, ob die Mühle kaputt ist oder nicht. Innerlich leer brach ich auf, fuhr, genoss die Fahrt und die Landschaft und die abgelegenen Gegenden, in denen ich vorher noch nie war. Es dauert so seine Zeit, bis man mit meinem Bus auf Landstraßen 100km zurückgelegt hat. Als ich daheim ankam guckte ich das Öl an: es war genauso wie vorher, nicht so wie ich mein Öl kenne. Ich prüfte, ob Druck auf dem Kühlsystem ist, ob also Öl ins Kühlwasser gedrückt worden ist: das Wasser spritze mir entgegen.
Meine Diagnose: Bus putt. Dresden is nich. Christine anrufen. Auf zur Nachtschicht.
Morgens habe ich Papa alles erzählt, und er meinte das würde ihn nicht überzeugen. Er wolle selbst gucken. Okay, dann guck, ich schlaf derweil. Nach einer Stunde hielt ich es nicht mehr aus, er war von seiner Probefahrt zurück und meinte: Das ist doch alles so, wie es sein soll. Dass ein heißes Kühlsystem immer Druck aufbaut war mir zum Beispiel nicht bewusst. Und die Sache mit dem Öl: Ich glaube ich bin einfach kein frisches Öl im Auto gewohnt. Wenn ich sonst prüfe, ist das Zeug pechschwarz - und nicht Ölfarben. Am Abend hatte ich also eine komplette Fehldiagnose gestellt.
Also rief ich morgens Christine an: "Hallo Schatz, der Bus fährt, wir können nach Dresden!" Die erste Reaktion über diese erneute Planänderung war ganz klar nicht in die Rubrik "pure Freude" einzuordnen, aber nach einer Weile beschlossen wir gemeinsam, die Fahrt anzutreten.
Bis Franken, wo wir Samstag abends bei Christines Mutter ankamen, schnurrte der Bus beruhigend zuverlässig durch Sonne, Regen, Sturm und Gewitter. Er brauchte kein Kühlwasser und der Ölstand blieb konstant, obwohl wir ein wenig Öl vertropften (peinlich peinlich). Die Einspritzleitungen hatte ich zwar wieder dran, aber nicht dicht gekriegt, also verloren wir auch tropfenweise Diesel. Genauso unangenehm.
Sonntags nach dem Muttertagsfrühstück gings weiter nach Dresden, auch das kein Problem. Ölend und Dieselnd fuhr der Bus ohne ein einziges Mal zu bocken. In Dresden angekommen schauten wir uns abends noch die Stadt an, die mir sehr gut gefiel.
Meine erste Nacht im Bus, fernab von Mannebach, ich fühlte mich zuhause und war zufrieden mit der Gesamtsituation.
Am nächsten Morgen packten wir unsere Klettersachen und trafen uns mit drei Kletterern zu einem Ausflug in den Elbsandstein. Leider fing es, noch während wir im Zug saßen, an zu regnen. Im Elbsandstein darf man bei Regen nicht klettern, da der Fels brüchig wird wenn er nass ist. Also gingen wir stattdessen wandern. Egal wie man die sächsische Schweiz besucht, sie ist immer wunderschön: An jeder Ecke warten neue Ausblicke, ein Fels ist schöner und spannender als der andere, jeder Augenschmaus köstlicher als der vorherige. Unsere ortskundigen Führer wussten viele Geschichten zu erzählen und kannten die meisten Routen an denen wir vorbeikamen, so dass wir das Gebiet auch ohne zu klettern ein wenig kennen lernten. Ich war begeistert.
Christines Begeisterung hielt sich in Maßen: in nasses Schuhen laufen und frieren gehören nicht zu ihren Lieblingsaktivitäten. Auch als wir nachmittags wieder im Bus waren dauerte es noch eine Zeit, bis ihr wieder warm wurde. Ich kochte zum ersten Mal: eine einfache Fertigsuppe schien mir das Mittel der Wahl gegen Unterkühlung, und sie schmeckte wie erwartet hervorragend ;)
Abends trafen wir uns mit zwei Couchsurfern. Nunmehr drei Dreadheads und Christine kochten wir zusammen und unterhielten uns bis spät in die Nacht. Wir schliefen vor der Wohnung im Bus, so dass wir die Annehmlichkeit einer Toilette in erreichbarer Entfernung wussten.
Dienstags frühstückten wir bis vier Uhr nachmittags am Elbufer, jetzt endlich hatten wir den Zeitdruck abegeschüttelt. Wir hatten uns vorher viel zu wenig Zeit genommen, um einfach mal da zu sein.
Danach guckten wir uns die Uni an: nicht so neu und schön und gut wie ich mir vorgestellt hatte, aber durchaus sympathisch. Hier, so dachte ich, kann ich studieren.
Abends trafen wir uns mit zwei weiteren Couchsurfern, wieder hatten beide Dreads auf dem Kopf, um mehr über die Stadt zu erfahren. Auch wurde uns eine Dusche angeboten, die wir dankbar in Anspruch nahmen. Nach diesem äusserst anstrengenden Tag wollten wir eigentlich noch weggehen, es wurde aber später und später, und im Endeffekt konnten wir uns nicht mehr dazu aufraffen, loszuziehen. Wir übernachteten unbehelligt ein einer Schrebergartensiedlung in einem Vorort.
Mittwochs mussten wir leider schon wieder heim, und um zwei Uhr brachen wir denn auch auf. Nach wie vor lief der Bus wie geschmiert. Bei einem kleinen Zwischenstop in Weimar liefen wir einer meiner ehemaligen Mitschülerinnen über den Weg, und kamen dementsprechen nicht so schnell weiter wie geplant.
Wie schon auf dem Hinweg, fuhr Christine auch jetzt einen Teil der Strecke. Ich schlief solange auf der Rückbank. Beim nächsten Fahrerwechsel machten wir den Bus kurz aus um uns zu erleichtern, ich fuhr los, oh schreck, kein Licht. Ich hielt an und guckte mir die Sache an: Standlicht ging, Fernlicht ging über die Lichthupe auch an, aber das Abblendlicht wollte uns nicht scheinen. Also baute ich den Schalter aus, öffnete ihn, lokalisierte den Fehler, reparierte den Schalter, baute ihn siegesgewiss wieder ein, probierte das Licht aus, es hatte sich nicht geändert. Nach halbstündiger Fehlersuche fand ich dann das Problem: Ich hatte zwar den defekten Schalter repariert, zum Testen aber nicht die Zündung angemacht. Ohne Zündung nix Abblendlicht. Zündung angemacht, Licht geht, wunderbar, weiterfahren.
Gegen halb drei Uhr nachts kamen wir in Trier an, beschlossen aber, uns eine schöne Stelle zu suchen und nochmal im Bus zu übernachten. Gesagt, getan.
Donnerstags kam ich nach Hause, der Bus ölte und dieselte immer noch, doch die Maschine war einwandfrei gelaufen. Und, nicht ganz nebensächlich, wir hatten einen schönen Kurzurlaub und ich habe meine Studienstadt gefunden.
Ente gut, alles gut, wenn da nur nicht dieses tropfende Ungetüm vor dem Haus stünde. Inzwischen habe ich die Ventildeckeldichtung ersetzt, daraufhin ölte er nicht mehr. Heute war aber wieder ein Tropfen Öl unterm Bus. Danach muss ich jetzt mal gucken. Und was ich wegen der Dieselei tue, weiß ich noch gar nicht. Neue Einspritzleitungen wären wohl das Beste. Kauft euch bloß kein Auto.
schlechtes Beispiel
jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, eine schlechte Website zu schreiben, kann sich an Prof. Dr. Blankenforth orientieren. Ich hoffe ihr findet noch mal raus aus dieser Seite, ich brauchte recht lange um den Irrgarten wieder zu entfliehen ;)
Spieleabend
2009-04-20 findet der Spieleabend statt. Ich stoße nach der Spätschicht zu euch, also kurz vor 2300. Bis denne!
draußen herumbienen
Gerade in einem Profil gefunden:
Interests: ... meeting people from all over the world, birds, hiking and beeing outdoors in nature ...
